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Das Verschwinden der "Arctic Sea" bleibt weiterhin ein Rätsel: Der unter maltesischer Flagge fahrende Frachter mit russischer Besatzung wird seit fast zwei Wochen vermisst.

Mittlerweile sucht bereits die russische Kriegsmarine nach dem Schiff, dessen letzte bekannte Position Ende Juli im Ärmelkanal war, hieß es am Mittwoch. Später soll das Schiff noch einmal vor der Küste Nordportugals gesichtet worden sein. Bestätigung dafür gibt es allerdings keine.

Planankunft vor einer Woche
Die "Arctic Sea" befindet sich im Besitz einer lettischen Reederei und tranportiert Rundholz im Wert von über einer Million Euro. Eigentlich hätte sie bereits vor knapp einer Woche, am 4. August, in ihrem algerischen Zielhafen Bejaja ankommen sollen - nur dort tauchte sie bisher nicht auf.

Russland startet Suchaktion
Am Mittwoch beauftragte nun Russlands Präsident Dimitri Medwedew seinen Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow, alles in Bewegung zu setzen, um den vermissten Frachter "wiederzufinden und - wenn nötig - zu befreien". Wie russische Medien berichteten, sind bei der Suche nach dem Schiff außer Marinepatrouillen auch Radargeräte und satellitengestützte Überwachungssysteme im Einsatz. Laut der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS sucht auch der russische Auslandsgeheimdienst (FSB) nach dem Schiff.

Spekulationen blühen
"Auf Befehl des russischen Präsidenten Dimitri Medwedew erhielten alle russischen Kriegsschiffe im Atlantik den Auftrag, nach der 'Arctic Sea' zu suchen", zitierte ITAR-TASS den Kommandanten der Flotte, Admiral Wladimir Wyssozki.

Mittlerweile kursieren die wildesten Gerüchte über das Schicksal des Schiffs. Der britische "Independent" spekulierte, das Schiff könnte sich weiter in der Hand von Piraten befinden.

Piraterie in der Ostsee?
Die "Arctic Sea" war das erste Mal Ende Juli in die Schlagzeiten geraten. Die schwedische Polizei gab damals, mit Verspätung wie es hieß, bekannt, dass der Frachter zwischen den Inseln Gotland und Öland in der Nacht auf 24. Juli von acht bis zwölf maskierten Bewaffneten geentert worden sei.

Die Männer hätten sich als schwedische Polizisten ausgegeben, den Frachter durchsucht und dabei mehrere Seeleute verletzt. Danach seien sie allerdings verschwunden, ohne auch nur irgendetwas mitzunehmen.

Gerüchte über Drogenschmuggel
Als Hintergrund war damals ein großangelegter Drogen- oder Waffenschmuggel vermutet worden. Einer anderen Theorie zufolge könnte Moskau den Vorfall als Vorwand nutzen, Kriegsschiffe zu entsenden und derart geplante NATO-Manöver aus der Nähe beobachten zu können.

Sicher ist: Wenn das Schiff tatsächlich gekapert wurde, handelt es sich dabei um den ersten Fall von moderner Piraterie in europäischen Gewässern.

Letzter Funkkontakt am 28. Juli
Nach Angaben des Sprechers der britischen Küstenwache, Mark Clark, stammt der letzte Funkkontakt vom 28. Juli, als sich der Frachter in Dover meldete, um den Ärmelkanal zu passieren. "Wir wussten nicht, ob wir mit der Besatzung sprachen oder womöglich mit den Entführern", so Clark. "Niemand von uns kann sich an etwas Vergleichbares in der Vergangenheit erinnern."

Nicht mehr gesichtet
Die portugiesischen Schifffahrtsbehörden versicherten mittlerweile, dass sich das Schiff nicht in ihrem Hoheitsbereich befindet. Die in Spanien erklärten, die "Arctic Sea" sei auch nicht in der Straße von Gibraltar gesichtet worden, obwohl das Schiff diese Meerenge hätte passieren müssen, um

seinen algerischen Zielhafen zu erreichen.

Als "Phantomschiff" unterwegs?
Das International Maritime Bureau (IMB) in London ist gleichfalls ratlos. "Das Schiff könnte illegal umgeleitet worden sein, Piraten könnten sich an Bord befinden und es an einen anderen Bestimmungsort bringen, oder es könnte als Phantomschiff benutzt werden, indem sein Name geändert wurde", hieß es am Mittwoch.

Nichts als "wilde Spekulationen"?
Andere Schifffahrtsexperten glauben nicht, dass das Schiff wirklich gekapert worden sein könnte: Nichts als "wilde Spekulationen", meint der Pressesprecher der britischen Chamber of Shipping, Jeremy Harrison: "Wieso sollte jemand ein kleines bis mittleres Frachtschiff angreifen und entführen, das sonst nichts außer Holz geladen hat?"


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Issue date: August 13, 2009

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