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Einführung in die Bewertung

Die forstliche Bestandesbewertung - ein Einblick in das System von Forstwirtschaft.com

Ein erfahrener Forstsachverständiger kann Waldbestände aufgrund seiner Erfahrung mit nur wenign Hilfsmitteln bewerten. Wissen muss er auf jeden Fall folgende wichtige Wertaspekte. Das Zusammenführen dieser Teilaspekte zu einer Gesamtbewertung ist sodann der Hauptteil der forstlichen Bestandesbewertung:

  • Aus der Waldwachstumslehre: biometrische Grundlagen über den zu bewertenden Bestand (wie gut wachsen die im betreffenden Waldbestand vorkommenden Bäume?). Dazu benötigt der Sachverständige einige gemessene Werte von den Bäumen wie Alter, Höhe, Durchmesser, Baumarten und deren Verteilung. Diese vom Sachverständigen erhobenen Werte werden mit Hilfe von bekannten und allgemein anerkannten Modellwaldbeständen (sogenannten Ertragstafeln) abgeglichen. Dadurch erhält der Sachverständige ein Modell des Waldbestandes. Mit Hilfe dieses Modelles kann der Sachverständige die zukünftige Entwicklung des zu bewertenden Bestandes abschätzen. Unser System enthält die österreichischen Ertragstafeln für ca. 15 verschiedene Baumarten.

 

  • Aus der Waldwachstumslehre: Grundlagen über die Verteilung von Bäumen in Waldbeständen: Bäume sind unterschiedlich dick und unterschiedlich hoch, auch wenn sie gleich alt sind und der selben Baumart angehören. Im Fachjargon spricht man von sogenannten "Stammzahlverteilungen". Man weiss mittlerweile sehr viel über solche Stammzahlverteilungen in unseren Wäldern. Diese Stammzahlverteilungen sind für die Berwertung von zwei Wertaspekten eines Waldbestandes ausserordentlich wichtig: für die Berechnung (bzw. Vorhersage) des Verkaufserlöses eines Waldbestandes und für die Bewertung möglicher Schäden an den Bäumen (im weiteren Text wird noch genau auf diese Details eingegangen). Zur Simulation der Baumhöhen werden Einheitshöhenkurven eingesetzt. Unser Bewertungssystem verwendet sowohl Stammzahlverteilungsfunktionen als Einheitshöhenkurven.

 

  • Aus der Waldwachstumslehre: Einige unserer Baumarten sind gegenüber einer Beschädigung ihrer Rinde besonders empfindlich. So z.B. die Fichte. Wird die Rinde einer Fichte beschädigt (z.B. durch rinden-schäldendes Hochwild oder durch Holzerntemaschinen) dann wird dadurch eine Eintrittpforte für Pilze geschaffen. Diese Pilze können sodann bei der Fichte die sogenannte "Rotfäule" verursachen. Ist ein Fichtenstamm von dieser Rotfäule "befallen" so sinkt sein Wert dramatisch. Unser System kann eine solche "Rotfäule" bei der Fichte bewerten.

 

  • Aus der Marktlehre und aus der Waldwachstumslehre: Bäume werden beim Ernten in Abschnitte unterteilt. Je nach Qualität, Länge und Dicke der einzelnen Abschnitte spricht man von bestimmten "Sortimenten". Diese Sortimente werden von der Holzindustrie gekauft und erzielen auch unterschiedliche Preise. Die Summe der einzelnen Sortimente eines Waldbestandes ergibt die Holzerntemenge. Multipliziert man die einzelnen Volumsinhalte der unterschiedlichen Sortimente eines Waldbestandes mit dem jeweiligen Sortimentspreis, so erhält man den sogenannten "Ernteerlös". Unser System kann sowohl die einzelnen Sortimente eines Waldbestandes errechnen (unter zu Hilfenahme der oben angeführten Stammzahlverteilung) und auch den Ernteerlös bestimmen (für jedes beliebige Alter des Waldbestandes). Weitere Information dazu: Text alsDownload (900 kB)

 

  • Aus der Arbeitslehre: Bäume müssen "geerntet" werden. Diese Ernte setzt sich aus verschiedenen Teilschritten zusammen: Zuerst muss der Baum umgeschnitten werden, sodann müssen alle Aste vom Stamm getrennt und der Baum in einzelne Sortimente aufgeschnitten werden und zum Schluss müssen die einzelnen Stammabschnitte noch bis zur LKW-befahrbaren Straße gebracht werden. Unser System kann die Zeit, welche benötigt wird, um diese Arbeitsschritte durchzuführen, berechnen. Und kann sodann, wenn man die Kosten je Stunde für Arbeiter und Maschine bekannt gibt, die sogenannten "Holzerntekosten" berechnen.

 

  • Aus der Betriebswirtschaftslehre: Der Wert von Waldbeständen ändert sich mit ihrem Alter. Je älter die Waldbestände, desto wertvoller werden sie (in der Regel). Dieser Wertverlauf über der Zeitachse wird nun durch verschiedenste Parameter beeinflusst. Wie schon angesprochen, ist das Alter des Waldbestandes einer dieser Parameter. Daneben gibt es aber noch andere Parameter wie z.B. die sogenannten "Kulturkosten" (also die Kosten die bei der Neu- und Wiederanlage- bzw. Begründung eines Waldbestandes anfallen). Die forstliche Betriebswirtschaftslehre kennt nun verschiedenste Methoden, diesen Wertverlauf modellhaft nachzubilden. Die bekanntesten Methoden sind das Bestandeskostenswert, das Bestandeserwartungswert und das Abtriebswertverfahren. Eine Kombination aus diesen drei Verfahren ist das sogenannte Alterswertverfahren. Unser System errechnet Bestandeswerte nach allen diesen Verfahren und kann darüber hinaus auch noch Hilfestellung über ein lineares Bewertungsverfahren geben.

 

Das Bewertungssystem von Forstwirtschaft.com versteht sich als Unterstützung für den Forstsachverständigen, welcher forstliche Bewertungsaufgaben zu lösen hat. Es kann in den oben angeführten Teilbereichen der forstlichen Bestandesbewertung Unterstützung liefern, kann letztendlich aber nur als unterstützendes Werkzeug gesehen werden. Die forstliche Bewertungspraxis ist vielfältig (oft geht es ja nicht um Waldverkäufe sondern um die Bewertung von Schäden bzw. Nutzungseinschränkungen) und selbst dann, wenn es zur Bewertung von Waldbeständen kommt, so ist immer klar, dass der "errechnete Waldbestandeswert" immer nur als Anhaltspukt für Verhandlung des tatsächlichen Preises zu verwenden ist. Die Praxis hat gezeigt, dass die Bandbreite zwischen "Bestandeswert" und tatsächlichem Verkehrswert sehr groß ist.



Book | by Dr. Radut